Tipps für angehende Alpenüberquerer

(Erfahrungen der ersten Transalp im Jahr 2003)


Routenplanung

Als optimale Planungsgrundlage für die individuelle Zusammenstellung einer auf die eigenen Bedürfnisse abgestellten Reiseroute kann ich uneingeschränkt das Buch Traumtouren Transalp empfehlen. Die beigefügte CD bietet eine schier unerschöpfliche Vielzahl von Routenvarianten. Wichtigstes Prinzip bei jeder Planung ist in jedem Fall die kompromißlose Orientierung an der eigenen Leistungsfähigkeit. Im Einzelfall sollte man eventuell auch in Erwägung ziehen, die körperliche Verfassung Mitreisender zu berücksichtigen.

Für Fahrer mit geringer Erfahrung auf größeren Touren kann ich nur dringend empfehlen, keine überlangen Tagesetappen einzuplanen. Zwei oder drei Tage in Folge mit mehr als 2.500 Höhenmetern können ansonsten weniger Trainierte durchaus an den Rand ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit bringen. Übertriebener Ehrgeiz ist hier völlig Fehl am Platz. Tagesetappen um die 2.000 Höhenmeter hingegen lassen genügend Spielraum für ausgedehnte Erholungspausen, in denen man auch einmal die Seele baumeln lassen kann. Wir haben uns bei unserer ersten Transalp auf 1.900 Höhenmeter im Mittel beschränkt, wobei kein Tag über 2.400 Höhenmeter lag. Stets waren wir auch bemüht, die Tageshelligkeit zwischen 8 und 19 Uhr voll auszunutzen (September).

 

Trainingsvorbereitung

Maßgeblich für den benötigten Vorbereitungszeitraum wird in erster Linie immer der persönliche allgemeine körperliche Zustand sein. Nicht zu unterschätzen ist jedoch auch die Bedeutung der eigenen technischen Fahrfähigkeiten.

Wir hatten für die Gesamtvorbereitung insgesamt 4 Wochen Zeit. Angesichts unserer Ausgangsbedingungen war dies sicherlich ein nicht zu reichlich bemessenes Zeitbudget. Als wenig Bergerfahrene waren wir sowohl mit dem Aufbau konditioneller als auch technischer Fähigkeiten in diesem Zeitraum durchaus gefordert.

Ich rate weniger Trainierten dazu, keine übertrieben große Vorbereitungstouren im Vorfeld zu unternehmen, da diese nur allzu leicht einen anhaltenden Ermüdungszustand herbeiführen können.

Wie sich bei uns gezeigt hat, baut sich die Kondition im Laufe der vielen Tage einer Alpenüberquerung nahezu von selbst auf.

 

Zusammenstellung des Gepäcks

Für Tourneulinge mag die folgende Zusammenstellung des Reisegepäcks erschreckend kurz sein. Auch mir war es anfangs schleierhaft, wie man mit dermaßen wenig persönlichen Dingen in Urlaub fahren kann. Aber ich kann sagen: es geht! (siehe Packliste weiter unten).

Als Schutz gegen Regen haben wir uns Duschhauben aus Plastik über die Helme gezogen. Diese liegen in besseren Hotels in den Badezimmern aus bzw. werden hier auch in Drogeriemärkten feilgeboten. Sie wiegen praktisch nichts und gestatten auch bei Regen die Beibehaltung eines eleganten Erscheinungsbildes (auch in rosa erhältlich).

Von beiden Listen waren bis zum Ende unserer Tour nicht mehr alle Gegenstände dabei, da sie durch natürlichen Verbrauch, aus Versehen Liegenlassen und Rücksendung per Post nach Hause einer vergleichsweise starken Selektion unterlegen sind. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß ein schwerer Rucksack tagsüber zwar wenig Vergnügen bereitet, am Abend jedoch schlecht ausgerüstete Kollegen vor Neid erblassen lässt (Haarfön!).

Für die Zusammenstellung einer frauenspezifischen Ausrüstung dürfte ich aufgrund meiner Geschlechtszugehörigkeit nur wenig Konstruktives beitragen können. Auch hier kann ich mir jedoch aus eigener Anschauung heraus erlauben zu behaupten, dass Kuscheltiere mit einem Eigengewicht von mehr als 500 Gramm bzw. einem Volumen von über 3 Litern ein ausgesprochen ungünstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis besitzen.

 

 

Meine Packliste zu Beginn der ersten Tour

Position Anzahl Anmerkung
Armlinge, Paar 1  
Badehose 1 kam aus Mangel an Badeseen nicht zum Einsatz
Baseballmütze 1  
Bedienungsanleitung Digitalkamera 1 verzichtbar nur für absolute Technikfreaks
Bedienungsanleitung Handy 1 kann evtl zuhause bleiben
Deoroller 1 wirkt ab dem dritten Tag nur noch eingeschränkt
Duschmittel, Flasche 100 ml 1  
Energieriegel 15  
Erfrischungstücher, Päckchen 1  
Ersatzspeicherkarte Kamera 3  
Fahrradtrikot 3 fast zu wenig, starker Geruch am Ende der Tour
Fleece-Pullover 1  
Gummibärchen, Großpackung 1 sind unterwegs nur schwer zu bekommen 
Haarfön 1 unverzichtbar bei nassem Wetter 
Handschuhe, lang, Paar 1  
Handtuch 1 eines genügt, da in Hotels immer welche bereitliegen 
Handy 1  
Hose, lang  1 für den Abend
Kameraanschlusskabel für Fernseher  1 für die kleine Diashow am Abend 
Kopfkissenüberzug  1 bei Übernachtung in Lagern sehr angenehm 
Ladegerät für Kamera-Akku  1  
Nagelscherenset 1  
Nierengurt aus Fleece 1 Wunderwaffe, auch guter Mützenersatz 
Radhose lang  1  
Rasierapparat, elektrisch 1 nass vertrage ich nicht
Rasierwasser, kleine Flasche mit 30 ml 1 ein kleiner persönlicher Luxus
Regenhose 1  
Regenjacke 1  
Rucksack 1  
Sandalen, Paar 1 alternativ auch leichte Halbschuhe möglich
Schlafanzug, leichte Ausführung 1 evtl. auch als Ersatzwäsche für Abende geeignet
Schlafsack aus Seide 1 siehe auch Kopfkissenbezug
Shampoo, Flasche mit 100 ml 1  
Socken, Paar 9  
Sonnenbrille  1  
Sonnencreme, kleine Tube  1  
Spülbürste 1 absolutes Muss zur Beseitigung von Schimmel in Flaschen
Stirnlame 1  
Taschenbuch Belletristik 2 ein Buch hätte mir genügt
Tempotaschentücher, Päckchen 2  
Toilettenpapier feucht, Reisepäckchen 1 gibt es auch in besseren Hotels nicht
Buch Traumtouren Transalp 1 etwas schwer, 1 Buch je Gruppe genügt
Trinkflasche 1  
T-Shirt 1 auch für den Abend
Unterhose 9  
Waschlappen 1  
Zahnbürste, manuell betrieben  1 auch für Grobmotoriker ausreichend

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu der persönlichen Packliste hinzu kamen die Dinge, die wir jeweils am Körper trugen:

kurze Radhose, Trikot, Helm, Schuhe, Socken, Unterhose, Handschuhe kurz, Fishermans friend.

Zusammen haben wir uns folgende Ausrüstung geteilt:

Position Anzahl Anmerkung
Aspirin 20  
Ersatzschlauch 1  
Flickzeug 1 unbedingt ausprobieren, ob der Kleber in Ordnung ist!      
Gesäßcreme, große Tube                    1  
Jodtabletten 10  
Kohletabletten 20  
Landkarten 8  
Latex-Handschuhe, Paar 1  
Luftpumpe 1  
Magnesiumtabletten 50 bei viel Muskelkaterbefall ist das zu wenig!
Nähzeug 1  
Reparaturwerkzeug 1  
Schreibzeug 1  
Teebaumöl, kleine Flasche 1  
Tigerbalsam 1  
Verbandmaterial 1  
Voltaren, kleine Tube 1 langt maximal für eine Woche
Zinktabletten 20  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wahl des geeigneten Rades

Ein geringes Gewicht trägt mit Sicherheit bei längeren Anstiegen zur Verkürzung von Schiebestrecken bei, jedoch lässt es sich auch mit einem 18-Kilo-Rad in angenehmer Weise talwärts gleiten. Wesentlich wichtiger als ein paar Kilogramm Gewichtseinsparung ist meines Erachtens die Abstimmung von Rahmen- und Körpergröße. Ich habe diesbezüglich beim Kauf meines 42 cm-Rahmes angesichts meiner Körpergröße von 186 cm nicht die optimale Wahl getroffen. Einen gewissen Ausgleich schafft bei mir eine Sattelstütze mit 45 cm Länge in Verbindung mit einem sehr flachen und langen Vorbau. Dies dürfte jedoch ein Grund für eine von mir festgestellte, progressiv zunehmende Überschlagstendenz bei sich versteilendem Gelände sein.

Freunde langer Tagesetappen und Spätaufsteher sollten die Montage einer leistungsfähigen Lichtanlage in Erwägung ziehen, da auch die beste Stirnlampe keinen adäquaten Ersatz darstellen kann. Auch nach Einbruch der Dunkelheit ist somit ein sicheres Fortkommen gewährleistet.

 

Reparatur und Ersatzteile

Die Mitnahme von Ersatzteilen empfiehlt sich nur insoweit, wie diese von den mitreisenden Fahrern auch in Eigenleistung ersetzt werden können. Auch die beste Werkstattausrüstung nützt wenig, wenn nicht gewisse Grundkenntnisse für die Durchführung von Notreparaturen vorhanden sind.

Pumpe, Flickzeug und Ersatzschlauch stellen wohl das Mindestmaß an Material dar. Aus eigener leidvoller Erfahrung klug geworden, kann ich jedoch nur dringend empfehlen, auch das kleinste Ausrüstungsarsenal ständig auf seine Funktionsfähigkeit hin zu überprüfen. Auch eine ganze Box mit Flicken nutzt einem nichts, wenn der mitgeführte Kleber seine Aufgabe nicht erfüllt (siehe unser letzter Tag der Transalp 2003).

 

Fahrtechnik

Das Thema Fahrtechnik wird wohl von vielen angehenden Alpenüberquerern zu Unrecht, wie anfangs auch von mir, vielfach in geradezu fahrlässiger Weise vernachlässigt. Es dürfte für jeden Anfänger von großem Nutzen sein, bereits vor dem Start einer solchen Unternehmung etwas Erfahrung in ausgesetztem bzw. steilem Gelände gesammelt zu haben. Auch so mancher Sturz ließe sich bei Einhaltung einfachster Verhaltensregeln vermeiden:

1. Sattelstütze bei steilen Abfahrten deutlich nach unten stellen

2. Nicht starr auf dem Sattel sitzen bleiben

3. Einhändiges Fahren in steilem Gelände unterlassen, auch wenn es stark in der Nase juckt oder Spinnweben genau in Augenhöhe den Weg kreuzen

4. Bei unvermeidbarem Sturz über den Lenker sofort Kauerstellung einnehmen und nach vorne abrollen.

Click-Pedale sind bei mangelnder Übung ebenfalls eine häufige Ursache für schwere Stürze, da ein rechtzeitiger Ausstieg nicht immer gelingt. In der Eingewöhnungsphase, die bei mir wahrscheinlich ewig andauert, können ungeplante seitliche Abgänge jedoch durch einen einfachen, aber sehr wirksamen Trick zu nahezu 100 % verhindert werden. Zu Beginn steilerer Abfahrten oder schwieriger Passagen öffne ich dazu an beiden Schuhen die Schnürsenkel, so daß ich im Notfall sehr schnell und ohne großes Hakeln aus dem Schuh schlüpfen kann. Im Zweifel ist ein leicht verschmutzter Socken in jedem Fall einem Bluterguß an der Hüfte vorzuziehen.

 

Übernachtung und Verpflegung

Ein Thema, das Individualreisen ungewohnten, künftigen Alpenüberquerern wohl nicht selten Bauchschmerzen verursacht. Vor Beginn der Tour quälten auch mich diesbezügliche Fragen in nicht unerheblichem Maße:

1. Werden wir am Abend in dem kleinen Zielort noch ein Zimmer bekommen, ohne bereits 2 Monate vorher gebucht zu haben?

2. Kann ich auch ohne Mithilfe meiner Muttersprache dem gegenüberstehendem Gastwirt deutlich machen, daß wir nicht den Weg zum nächsten Gipfelkreuz suchen, sondern dringend eine warme Dusche brauchen?

3. Kann mein ins Unermessliche gesteigerter Kalorienbedarf innerhalb von nur einer Stunde am Abend gedeckt werden?

4. Kann ich es mir erlauben, beim Abendessen nach einem Nachschlag zu fragen?

Die Antwort auf alle diese Fragen lautet uneingeschränkt JA! Für besonders ängstliche Naturen kann ich außerdem empfehlen, bei den Punkten 2 und 4 die mitreisende Frau oder Freundin vorzuschicken.

Mein wichtigster Rat für alle, deren Hauptziel nicht eine gezielte Gewichtsreduzierung darstellt: morgens und abends Essen bis zum Abwinken und das noch ohne schlechtes Gewissen – eine Gewichtszunahme findet garantiert nicht statt.